Presseclub

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Sehr geehrte Medienvertreterinnen und -vertreter,

die chinesische Medizin genießt noch immer den manchmal durchaus zweifelhaften Ruf des Exotischen und Alternativen. Dabei gehören die wichtigsten Therapieverfahren der Chinesischen Medizin zu den mittlerweile best untersuchtesten medizinischen Verfahren überhaupt. Die Quote von "RCT´s" (randomisierte kontrollierte Studien) für die Akupunktur liegt für viele Krankheitsbilder schon weit über denen der etablierten "schulmedizinischen" Therapien. Schon längst gibt es von der Cochrane Collaboration -den Hütern der Evidenz-basierten Medizin- Empfehlungen für die Chinesischen Medizin für viele Erkrankungsbilder (z.B. Migräne, Spannungskopfschmerz, Nackenschmerz, Chemotherapie-Erbrechen, ungewollte Kinderlosigkeit, Erbrechen nach Operationen, Menstruationsschmerz, chronischer Rückenschmerz, Geburtsschmerz). Und noch immer herrscht Unglauben und Zweifel, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Das ist weit weniger polemisch gemeint als man annehmen könnte: v.a. die Akupunktur und die chinesische Arzenimitteltherapie können mit ungleich weniger Finanzbedarf Leid lindern und auch heilen, als das mit vielen high-tech-Therapien möglich ist. Nicht von ungefähr ist heute das meist genutzte Anti-Malaria-Mittel ein Produkt der chinesischen Medizin und nicht eine der Patentarzneien der internationalen Pharmakonzerne. Schon längst ist ein Streit um die Forschungsgelder an deutschen Universitäten entbrannt, welcher auch über die Medien ausgetragen wird. Das deutsche Arzneimittelgesetz dient hier nicht dem Schutz von Patienten sondern der Verhinderung dringend benötigter Forschung, z.B. für die klinische Testung der längst identifizierten pflanzlichen Antibiotika gegen multiresistente Bakterien. Die per AMG vorgeschriebenen Versicherungssummen sind ohne Sponsoring durch die Forscher nicht aufzubringen. Sponsoring findet jedoch nicht statt, da Pflanzen-Antibiotika nicht patentierbar sind und somit keinen großen Profit versprechen.

Einen Überblick verschafft die Antwort auf einen ZEIT-Artikel von 2010. Die Antwort wurde übrigends nie gedruckt; auch nicht in gekürzter Form.

Ähnliche Anfeindungen kommen immer wieder. Einige Zeitungen entwickeln regelrecht eine Passion in ihrem Feldzug gegen alternative Heilverfahren. Ein besonders trauriges Beispiel ist die Süddeutsche Zeitung, die ansonsten ja einen guten journalistischen Ruf geniest. Hier eine Liste der letzten vermeindlich objektiven Wissenschaftsartikel gegen die chinesische Medizin:

22.12.2009, "Krebs durch Kräutermix" von Werner Bartens: Ein Artikel über die bereits seit dem belgischen Kräuterskandal bekannte Tatsache, dass Aristocholsäure-Zufuhr schwere Nierenschäden und Nierentumore hervorrufen kann. Was da 2009 als angebliche neue Erkenntnis verkauft wurde, war bereits seit 2000 im British Medical Journal beschrieben worden. Abgesehen davon, dass das schuldige Kraut eine moderne Änderung der alten chinesischen Kräuterkunde war, sind die verheerenden Folgen nicht zu übersehen. Man fragt sich jedoch, wie eine Medizin sich wissenschaftlich weiter entwickeln soll (wozu eine offene Fehlerkultur unabdingbar ist), wenn ein alter Vorfall mit einem einzelnen Bestandteil einer nicht-chinesischen Schlankheitsmixtur zu der Diffamierung eines ganzen Medizinsystems 10 Jahre später führt?

23.10.2008, "Heilung auf Treu und Glauben" von Christina Berndt kommt zwar tendenziös aber fast schon differenziert daher. Anhand der unkommentierten und von der Autorin unreflektierten Aussagen verschiedener Protagonisten der TCM-Szene wird die chinesische Medizin ins Zwielicht gestellt. Nicht erwähnt wird, dass selbst die konservative Cochrane Collaboration die im Artikel diffamierte TCM-Behandlung von ungewollter Kinderlosigkeit wissenschaftlich rehabilitiert hat. Gleiches gilt für die sog. GERAC-Studien, wo beharrlich vom Spiegel abgeschrieben wird ("Akupunktur hilft. Es ist nur egal, wohin man sticht"). Das der Spiegel seinerzeit nur die bereits vor Studienbeginn fest stehende Meinung des Studienleiters Zenz weiter gab und nicht das Studienergebnis, interessiert niemanden. Soviel zum Thema "investigativer Journalismus"... Nur um es hier klar zu stellen: Aufgrund der mangelnden Überwachung der teilnehmenden Ärzte (für die nicht das Studienergebnis sondern die Behandlung ihrer Patienten das wichtigste war) konnte gerade beim Rücken- und Knieschmerz nie sicher gestellt werden, dass die Patienten in der Vergleichsgruppe nicht doch echte Akupunktur bekamen. Wo die Kontrolleure besser extern nachkontrollieren konnten -bei der Behandlung von Migräne und Spannungskopfschmerz- wurden die höchsten "Schummelraten" festgestellt. Nach Ausschluss der geschummelten Behandlungen zeigten die Ergebnisse die Überlegenheit der Akupunktur über die Schein-Akupunktur. Trotzdem werden heute immer noch Knie- und Rückenschmerz von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt und nicht Migräne und Spannungskopfschmerz...

3.7.2007, "Akupunktur - Die Nadel-Therapie" von Colin Goldner: Auch 2007 schrieb man immer wieder gleich über die Akupunktur: man schildere die unglaublichen, scheinbar abstrusen Theorien der Akupunktur, erwähne, dass es keinen Beleg für die Akupunkturmeridiane gibt, für die Wirkung der Akupunktur schon mal gar nicht, schlage ordentlich mit dem Placebo-Effekt zu und erschlage den Rest mit Komplikationen. Das die Hepatitis-Infektionen mit den hierzulande obligatorischen Einmalnadeln gar nicht auftreten können, verschweige man einfach. Das bei der Milliardenfachen Anwendung der Akupunktur die vier beschriebenen Lungenverletzungen (Pneumo-Thoraces) noch unter der statistischen Erwartung für spontane Pneumo-Thoraces liegen, wird auch nicht reflektiert. Interessant ist jedoch, dass in der Online-Variante des Artikels von 2007 die Zählung der Pneumo-Thoraces bis 2010 reicht...

Selbst über renommierte Autoren wundert man sich: so konnte man über Prof. Unschuld in der Süddeutschen Zeitung am 15.12.2007 staunen. Die ebenfalls nie gedruckte Antwort finden Sie unten ("Wunder gibt es immer wieder"). Der Artikel von Unschuld ist zwar seinerzeit gedruckt worden, jedoch wurde der Artikel aus dem Online-Auftritt der SZ sang- und klanglos entfernt, obwohl es noch ältere Artikel im Archiv gibt... Aber das Internet vergißt nie und so findet man die unschuldigen Ergüsse im Internet-Archiv.

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